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Aktualisiert: vor 19 Stunden 38 Minuten

Trauer um Gerlinde Horn

Mi, 05/08/2026 - 13:10
Superintendent Geist: Diakonische und seelsorgerliche Wegbereiterin

Klagenfurt (epdÖ) – Gerlinde Horn ist tot. Die Gründerin des Wiener „Häferl“ und vielseitig in diakonischen Projekten engagierte langjährige ehrenamtliche Mitarbeiterin in Wien ist am 24. Juli im 85. Lebensjahr verstorben.

„Mit Gerlinde Horn verlieren zahlreiche Menschen in Not eine fürs Leben wertvolle Person, die immer echt, nahbar und voller Zuspruch war“, betonte der Wiener Superintendent Matthias Geist gegenüber dem epd. Geist würdigte Gerlinde Horn als „eine frühe und wesentliche Mentorin“ für die Tätigkeit in der Gefängnisseelsorge. Durch die „grenzgeniale Erfindung und Gründung“ des „Häferl“, das heute von der Stadtdiakonie Wien geführt wird, und ihre nachhaltige Fürsorge sei Horn ungezählten Notleidenden auch persönlich gut bekannt gewesen. Sie begleitete neben Menschen in materieller Armut und seelischer Bedürftigkeit vor allem auch straffällig Gewordene und Untergebrachte des Maßnahmenvollzugs, erinnert Geist. „Dies tat sie auf oft unkonventionelle, aber ehrliche und vertrauensfördernde Weise“, bekräftigt der Superintendent. In Gemeinde, Diözese und Gesamtkirche sei Horn in der „Nachfolge Jesu“ über viele Jahrzehnte mitten im Geschehen der Menschen und somit „unverzichtbar“ gewesen. „So werden wir sie als einzelne und als evangelisches Wien vermissen, ihr Lebenswerk und ihre liebenswürdige Art im Gedächtnis behalten und ihr Zeugnis weitertragen“, so der Wiener Superintendent gemeinsam mit Superintendentialkuratorin Petra Mandl in einem Nachruf.

Horn wurde 1941 in Klagenfurt geboren und trat nach dem Schulabschluss mit 19 Jahren in eine evangelische Schwesternschaft ein, wo ihr Engagement für benachteiligte Menschen begann. Sie war Initiatorin zahlreicher sozialer Projekte wie dem „Häferl“ in Wien, das warme Mahlzeiten an Menschen in Notlagen verteilt und ursprünglich als wichtige Anlaufstelle für Haftentlassene und Freigänger gegründet wurde. Neben ihren Initiativen in Österreich leitete die Preisträgerin des Kärntner Menschenrechtspreises auch Entwicklungsprojekte in Afrika. Zudem veröffentlichte Gerlinde Horn mehrere Bücher im Evangelischen Presseverband, etwa „Interview mit einem toten Fisch“ (2000), „Yao – Mein Afrika“ (2006), „Wo die Wüste aufhört, beginnt der Himmel“ (2007) und „Die Geschichten danach“ (2017). Lyrik, Prosa und szenische Gestaltung wurden so zum Ausdruck ihrer Auseinandersetzung mit den Problemen der Menschen, denen sie begegnete.

Gerlinde Horn hinterlässt ihren Ehemann, den ehemaligen Wiener Superintendenten Werner Horn, sowie fünf Kinder.

Das Begräbnis mit der Verabschiedung findet am Dienstag, 18. August, um 12 Uhr auf dem Evangelischen Friedhof Wien-Simmering (Simmeringer Hauptstraße 242) statt. Ein Gedenkgottesdienst folgt dann am Freitag, 21. August, um 18 Uhr in der Johanneskirche in Klagenfurt (Martin-Luther-Platz 1).

Hiroshima-Gedenktag – Geist: „Bereitschaft zur Versöhnung bewahrt Welt“

Mi, 05/08/2026 - 13:00
Gedenkveranstaltung am 6. August am Karlsplatz in Wien

Wien (epdÖ) – „Hiroshima erinnert uns daran: Nicht die Fähigkeit zur Vernichtung bewahrt die Welt, sondern die Bereitschaft zur Versöhnung.“ Das erklärte der Wiener Superintendent Matthias Geist anlässlich des 81. Gedenktages des Abwurfs der Atombomben auf die japanischen Städte Hiroshima und Nagasaki.

„Etwas mehr als achtzig Jahre nach Hiroshima und Nagasaki steht die Menschheit leider erneut vor großen Konflikten und Entscheidungen“, mahnte Geist. Die Gefahr atomarer Eskalation sei nicht Vergangenheit, sondern bedrückende Gegenwart. „Als christliche Kirchen erinnern wir an Hiroshima nicht aus historischer Pflicht, sondern weil Gott uns den Auftrag gibt, dem Frieden zu dienen“, betonte der Superintendent. Wer Christus nachfolgt, könne Krieg niemals verherrlichen und Atomwaffen niemals als Garanten der Zukunft akzeptieren.

„Frieden ist kein Traum. Frieden ist Gottes Wille. Darum dürfen die Kirchen nicht schweigen, wo Menschenverachtung, Krieg und die Drohung mit atomarer Gewalt wieder salonfähig werden“, so Geist in seinem an die Teilnehmenden des Gedenkens in Wien gerichteten Grußwort.

Traditionell gedenken Friedensorganisationen jährlich der Opfer des Atombombenabwurfs am 6. und 9. August 1945. In Wien veranstalten die Hiroshima-Gruppe Wien und die Wiener Friedensbewegung am Donnerstag, 6. August, auf dem Karlsplatz in Wien ein Gedenken für die Opfer militärischer und ziviler Atomanwendung. Treffpunkt der Veranstaltung ist um 19 Uhr beim Teich vor der Karlskirche.

Weitere Informationen auf: www.hiroshima.at

Bildquelle: www.depositphotos.com

Diakonie: Österreich darf Flüchtlingsschutz nicht aushebeln

Mi, 05/08/2026 - 12:50
75 Jahre Genfer Flüchtlingskonvention

Wien (epdÖ) – Aus Anlass des 75-jährigen Bestehens der Genfer Flüchtlingskonvention am 28. Juli erinnert die Diakonie Österreich daran, dass es beim Flüchtlingsschutz nicht um abstrakte Rechtsfragen geht, sondern um den Schutz von Menschenleben. Die evangelische Hilfsorganisation fordert ein klares Bekenntnis zu Menschenwürde, Rechtsstaat und humanitärer Verantwortung. „Grenzen müssen kontrolliert werden, Menschenleben müssen geschützt werden“, betont Diakonie-Direktorin Maria Katharina Moser in einer Aussendung.

Die Genfer Flüchtlingskonvention sei keine bloße historische Errungenschaft, sondern ein konkreter Schutzauftrag für die Gegenwart, stellt Moser klar: „Wer Schutzsuchenden den Zugang zu einem fairen Asylverfahren verwehrt, rüttelt an den Grundfesten von Menschenwürde und Rechtsstaat. Österreich muss seiner humanitären Tradition und seiner völkerrechtlichen Verantwortung gerecht werden – gerade dann, wenn der politische Druck wächst.“

In der Aussendung wird an das zentrale Versprechen der Genfer Flüchtlingskonvention erinnert. Menschen, die Schutz vor Verfolgung suchen, dürfen demnach nicht abgewiesen und in Folter, Gewalt oder Tod zurückgeschickt werden. Das Recht, Asyl zu suchen, und das Prinzip der Nicht-Zurückweisung bildeten bis heute den Kern des internationalen Flüchtlingsschutzes und hätten hunderttausende Menschenleben gerettet. Grenzen zu organisieren sei Aufgabe von Politik, schreibt die Diakonie weiter. „Aber jede Maßnahme muss sich daran messen lassen, ob sie Menschen schützt – und nicht gefährdet“, sagt Moser.

Die Genfer Flüchtlingskonvention
Bereits Anfang des 20. Jahrhunderts begann der Völkerbund, die Vorgängerorganisation der Vereinten Nationen, mit der Entwicklung einer international gültigen Rechtsgrundlage zum Schutz von Flüchtlingen. Das „Abkommen über die Rechtsstellung der Flüchtlinge“- wie der eigentliche Titel der Genfer Flüchtlingskonvention (GFK) lautet – wurde am 28. Juli 1951 verabschiedet. Sie kann hier nachgelesen werden.

Richter: Neuanfang vor Gott „kann und darf es jeden Tag geben“

Mi, 05/08/2026 - 12:40
Bischöfin beleuchtete bei „Disputationes Salzburg 2026“ Dimensionen der Erlösung

Salzburg (epdÖ) – „Versöhnung und Vergebung sind nur möglich, wenn wir uns konfrontieren mit dem, was war.“ Das unterstrich Bischöfin Cornelia Richter am dritten und letzten Tag der Reihe der „Disputationes Salzburg 2026“ zum Thema „Hoffnung, Zweifel und Leben als Dimensionen der Erlösung“.

Beides – Versöhnung und Vergebung – seien von der Schöpfung Gottes her auf den Menschen hin zu verstehen, „also auf unser Leben im Hier und Jetzt – weshalb die Fähigkeit und die Bereitschaft, anderen Menschen zu vergeben, eine Konsequenz der Versöhnungslehre ist“, erklärte die evangelisch-lutherische Bischöfin bei ihrem Vortrag unter dem Titel „Die Soteriologie als gedankliches Zentrum der Glaubenslehre und als tragender Grund menschlichen Lebens“. Der theologische Begriff der Soteriologie – die Lehre von der Erlösung und dem Heil des Menschen – beziehe sich Richter zufolge auf die genuine Wahrheit Gottes selbst, d.h. die Erlösung sei „nicht ein Werk, das ihm von außen oder kontingent – zufällig – zukommt, sondern in der Soteriologie bringt sich Gott selbst zum Ausdruck“.

Hierbei gehe es um ein „Heilshandeln Gottes, das wir nicht immer verstehen und dessen letzte Realisierung und Vollendung definitiv noch ausstehen“, sagte Richter. Dass „niemand in der Scham versinken“ müsse, sei das Faszinierende und „definitiv Resilienz Förderliche“ am christlichen Glauben. „Vor Gott kann und darf es jeden Tag aufs Neue einen Neuanfang geben. Ob in der ehrlich vorgebrachten Bitte um Vergebung oder in der schlichten Zuwendung des Anderen“, betonte die Bischöfin.

Das „Wunder der Versöhnung“ geschehe leichter, wo Menschen an sich selbst versöhnendes Handeln erfahren und gelernt haben, dass Versöhnung möglich sei. „Deshalb ist es gut, dass wir in einer Tradition leben, in der Versöhnung und Erlösung im Zentrum stehen“, hob Richter hervor. „Mit unserer Tradition wüsste ich nicht anders zu leben als aus einem Vertrauen und aus einer Hoffnung, die im Hier und Jetzt trägt und zugleich weit über unser menschliches Leben hinausweist“, so die Bischöfin.

Sozialneurowissenschaftlerin Tania Singer: Empathie mit Wertschätzung

Die Sozialneurowissenschaftlerin und Psychologin Tania Singer sprach beim dritten Teil der „Disputationes Salzburg 2026“ über die neurobiologischen Grundlagen von Mitgefühl und Empathie. Ihr zufolge beinhalte das menschliche Gehirn verschiedene Netzwerke für Empathie, Mitgefühl und Aufmerksamkeit. „Mit mentalen Übungen kann man diese Netzwerke trainieren“, sagte Singer. Dabei gelte es, vom empathischen ins mitfühlende Zuhören zu kommen. Dieses sei insbesondere für jene Menschen „extrem relevant“, die mit Leiden konfrontiert werden, wie Ärzt:innen, Therapeut:innen oder Lehrer:innen.

„Friedensarbeit fängt im Mitgefühl an“, zeigte sich Singer überzeugt, denn Mitgefühl sei kein bloßes Mitleiden, es umfasse vielmehr Liebe, Akzeptanz und Fürsorge. Singer plädierte zugleich für eine „Empathie mit Wertschätzung“ gegenüber anderen Menschen. Einer konstruktiven, friedlichen Kommunikation förderlich sei dabei die Übernahme der Perspektiven anderer Menschen. „Die Perspektivübernahme erlaubt mir zu verstehen, dass meine Glaubenssätze nicht unbedingt jene der anderen Menschen sind“, erklärte die Forscherin.

Die abschließende Diskussion wurde von der Wissenschaftsjournalistin Elisabeth J. Nöstlinger-Jochum moderiert.

„Miserere – Erbarmen. Vergebung. Erlösung“

Die Veranstalter:innen der „Disputationes Salzburg 2026“ hatten in der Eröffnungswoche der Salzburger Festspiele vom 20. bis 22. Juli zu Vorträgen und Podiumsdiskussionen mit Vertreterinnen und Vertretern aus Theologie, Philosophie, Psychologie und Neurowissenschaften in die SalzburgKulisse im Haus für Mozart eingeladen. Die Diskursreihe begleitete die „Ouverture spirituelle“ der Salzburger Festspiele und widmete sich heuer schwerpunktmäßig dem Thema „Miserere – Erbarmen. Vergebung. Erlösung“. Die Vortragenden gaben Impulse aus verschiedenen Denkrichtungen. Zudem war das Publikum eingeladen, Fragen zu stellen. Eröffnet wurde die Reihe am 20. Juli vom katholischen Salzburger Erzbischof Franz Lackner mit einer Einführung.

Seit ihrer Gründung im Jahr 2012 haben sich die „Disputationes Salzburg“ im Rahmen der „Ouverture Spirituelle“ zu einem fixen Bestandteil der Salzburger Festspielsaison entwickelt. Sie verstehen sich als interdisziplinäres Forum für den Dialog zwischen Wissenschaft, Religion und Gesellschaft. Die jährliche Veranstaltungsreihe widmete sich bereits dem Judentum, dem Buddhismus, dem Islam, den indischen Philosophien sowie der Vielfalt der christlichen Kirche des Ostens. Ziel der Veranstaltungsreihe ist es, grundlegende Fragen menschlicher Existenz aus unterschiedlichen wissenschaftlichen und spirituellen Perspektiven zu erörtern.

In den letzten Jahren sprachen bereits über 140 Vertreter:innen der großen Weltreligionen und Persönlichkeiten aus Kultur und Wissenschaft über die Wirkung von Kultur und Religion auf den Menschen, über spirituelle Momente in der Kunst, über Gemeinsames und Trennendes in Musik und Mystik verschiedener Glaubensrichtungen sowie über die großen Fragen der Menschheit nach Herkunft und Endlichkeit.

Weitere Informationen: www.disputationes.at

„SAAT“-Ferienzeitung widmet sich dem Ehrenamt

Mi, 05/08/2026 - 12:30
Einblicke in einen wertvollen kirchlichen Dienst

Wien (epdÖ) – Die diesjährige Ferienzeitung der „SAAT“ und des „Reformierten Kirchenblatts“ wirft einen kompakten und beispielhaften Blick auf das vielfältige ehrenamtliche Engagement in der Kirche. Dass evangelische Pfarrgemeinden lebendig sind, sei nur möglich, „weil sich viele Menschen ehrenamtlich engagieren und damit wirklich Großartiges schaffen“, schreibt die lutherische Bischöfin Cornelia Richter in ihrem Grußwort. Und der reformierte Landessuperintendent Ralf Stoffers meint: „Ohne engagierte Ehrenamtliche gäbe es uns gar nicht (mehr)!“

Einige konkrete Beispiele zeugen davon, wie wertvoll das Ehrenamt für die Evangelische Kirche ist: Claudia Mitscha-Eibl, Lektorin in Korneuburg, gibt Einblick in diesen „anspruchsvollen und beglückenden Dienst an der Gemeinschaft“. Jakob Dantine und Maya Geißelbrecht aus Innsbruck wiederum berichten von ihrem Engagement in der Kinder- und Jugendarbeit der dortigen Christuskirche. Jens Parsch, Gemeindevertreter in Feldkirch (Vorarlberg) erzählt von der menschlichen Vielfalt, „die das Ehrenamt lebendig und wertvoll macht“. Außerdem schildert Margarethe Prinz-Büchl, Superintendentialkuratorin von Kärnten-Osttirol, die drei Schwerpunkte, die sie sich für dieses Ehrenamt auf Diözesanebene gesetzt hat.

Neben diesen persönlichen Einblicken erfahren die Leser:innen auch von den Herausforderungen, denen sich die Kirche in Bezug auf Ehrenamt in Zeiten des gesellschaftlichen Wandels stellen muss.

Die Ferienzeitung im pdf-Format können Sie hier lesen.

Bei der Ferienzeitung handelt es sich um eine Kooperation zwischen der „SAAT“ (Evangelische Kirche A.B.) und dem Reformierten Kirchenblatt (Evangelische Kirche H.B.). Die vierseitige Ferienausgabe liegt in den Sommermonaten in evangelischen Kirchen in Tourismusregionen auf und unterstützt die Urlaubsseelsorge.

Die monatlich erscheinende SAAT können Sie hier um 40 Euro im Jahr abonnieren.

AKTION – Bestellen Sie jetzt die SAAT und lesen Sie bis Jahresende 2026 kostenlos!

Religiöse Motive dritthäufigste Ursache bei „Hate Crimes“ in Österreich

Mi, 05/08/2026 - 12:20
BMI-Lagebericht 2025 zeigt spürbaren Anstieg von Christenfeindlichkeit

Wien (epdÖ) – Im Jahr 2025 wurden in Österreich insgesamt 6.751 vorurteilsmotivierte Straftaten polizeilich registriert. Nach der „Weltanschauung“ und der „Nationalen oder ethnischen Herkunft“ bildet „Religiöse Feindlichkeit“ das dritthäufigste Tatmotiv im Land. Dies geht aus dem aktuellen Lagebericht „Hate Crime 2025“ des Bundesministeriums für Inneres (BMI) hervor. Insgesamt wurden im Bereich der Religionsfeindlichkeit 696 Vorurteilsmotive dokumentiert.

Innerhalb der dokumentierten Religionsfeindlichkeit zeigt sich eine klare Verteilung, bei der die Muslimfeindlichkeit mit 264 Motiven beziehungsweise 38 Prozent der am häufigsten erfasste Bereich bleibt. Der Antisemitismus liegt mit 247 dokumentierten Fällen und einem Anteil von 35 Prozent knapp dahinter. Die Christenfeindlichkeit verzeichnete hingegen einen spürbaren Anstieg (29 Prozent gegenüber dem Vorjahr) auf insgesamt 133 Motive, was rund 19 Prozent der gesamten religiösen Kategorie ausmacht. Delikte gegen andere Religionsgemeinschaften blieben mit 52 Motiven und einem Anteil von 7 Prozent weitgehend konstant.

Sakralstätten im Visier

Besonders signifikant war im Jahr 2025 die erhöhte Erfassung christenfeindlicher Angriffe auf Sakralstätten wie Kirchen, Friedhöfe und Denkmäler. Von den insgesamt 21 dokumentierten antireligiösen Vorfällen an Sakralstätten waren 12 christenfeindlich motiviert, wobei sich diese Taten primär als schwere Sachbeschädigungen äußerten. Demgegenüber traten antimuslimische Vorfälle vor allem im öffentlichen Raum auf, wo die Polizei 69 Vorfälle registrierte. Der Antisemitismus äußerte sich hingegen massiv im digitalen Raum, da mehr als jede dritte antisemitische Straftat beziehungsweise 94 Fälle online als Hassposting oder durch die Gutheißung terroristischer Straftaten begangen wurden.

Die demografische Auswertung der Tatverdächtigen im Bereich der Religionsfeindlichkeit liefert differenzierte Ergebnisse nach den jeweiligen religiösen Zielgruppen. Bei der Christenfeindlichkeit stechen besonders Jugendliche im Alter von 14 bis unter 18 Jahren heraus, die mit 27 Tatverdächtigen die auffälligste Gruppe bildeten. Gegen Muslime und Juden agierten hingegen vorwiegend ältere Tätergruppen.

Markante Unterschiede gibt es auch bei der Staatsbürgerschaft der ermittelten Personen. Während der generelle Anteil von Fremden an allen Hate-Crime-Tatverdächtigen im Land bei lediglich 28 Prozent liegt, besaß im Bereich der Christenfeindlichkeit mehr als jeder zweite Tatverdächtige beziehungsweise 57 Prozent keine österreichische Staatsbürgerschaft. Die polizeiliche Aufklärungsquote bei „Hate Crimes“ liege dank gezielter Schulungsmaßnahmen mit 71 Prozent weiterhin deutlich über dem Schnitt der polizeilichen Anzeigenstatistik bei der Gesamtkriminalität, wie der Bericht hervorhebt.

Innenminister Gerhard Karner betonte bei der Präsentation der Zahlen eine besorgniserregende Entwicklung: Die Hasskriminalität im Land werde zunehmend „jünger und digitaler“. Da bereits ein Drittel der Tatverdächtigen unter 21 Jahre alt ist und das Internet mit Abstand den häufigsten Tatort darstellt, müsse die Bekämpfung genau dort ansetzen. Karner verwies auf den bundesweiten Präventionsschwerpunkt „Sicher und FAIRnetzt“ sowie auf den in Ausarbeitung befindlichen Nationalen Aktionsplan gegen Hasskriminalität.

Brot für die Welt ruft zum Handeln gegen Hunger auf

Mi, 05/08/2026 - 12:10
Neue Plakatserie im öffentlichen Raum

Wien (epdÖ) – „Jemand sollte was gegen Hunger tun. Moment mal, du bist ja jemand.“ So lautet der Titel einer neuen Plakatserie von Brot für die Welt im öffentlichen Raum. Die Plakatflächen für die aktuelle Plakatserie von Brot für die Welt wurden unentgeltlich zur Verfügung gestellt. „Spendeneinnahmen verwenden wir für die konkrete Hilfe in den Partnerländern“, erklärt dazu Diakonie-Direktorin und Brot für die Welt-Geschäftsführerin Maria Katharina Moser.

Da 720 Millionen Menschen auf der Welt täglich hungern, seien Moser zufolge „humanitäre Hilfe und Entwicklungszusammenarbeit so wichtig. Sie bekämpfen Hunger, sie retten und schützen Leben“. Brot für die Welt mache damit deutlich, dass der Welt-Hunger kein unabwendbares Schicksal ist. Engagement und Spenden können konkrete Veränderungen bewirken, ist Moser überzeugt.

„In einer Zeit, in der mit Hoffnungslosigkeit Politik gemacht wird, möchten wir den Menschen außerdem Mut machen und sie motivieren, sich füreinander einzusetzen“, unterstreicht Moser. Dafür stehe zivilgesellschaftliches Engagement, das positive Entwicklungen voranbringt. Mehr denn je seien Mut und beherztes Einmischen gefragt, um sich gegen Hunger und für die Zukunft stark zu machen, bekräftigt die Diakonie-Direktorin.

Hungerkrise im Schatten der Blockade der Straße von Hormus

Im Schatten des Kriegs im Iran zieht aus Sicht der Diakonie eine internationale Hungerkatastrophe herauf. Die Blockade der Straße von Hormus treffe nicht nur Öl- und Gasexporte, sondern auch die industrielle Landwirtschaft. „Mit dem Gaspreis explodieren auch die Kosten für Kunstdünger, der aus fossilen Rohstoffen gewonnen wird“, erklärt die evangelische Hilfsorganisation.

Viele Länder im Globalen Süden beziehen große Teile ihres Stickstoffdüngers direkt aus dem Golf oder aus Werken, die dessen Gas nutzen. Schon moderate Düngerpreissteigerungen zwingen laut der Diakonie bäuerliche Betriebe zur Reduktion des Düngens. In der Folge schrumpfen die Ernten, und die Lebensmittelpreise steigen.

„Es ist ein Déjà-vu von 2022, als mit dem Angriff Russlands auf die Ukraine die Energiepreise und in der Folge die Nahrungsmittelpreise gestiegen sind“, hebt Moser hervor. „Tragischerweise wurden keine Lehren aus der Nahrungsmittelkrise 2022 gezogen. Die Landwirtschaft im globalen Süden ist nach wie vor von fossiler Energie und Düngemittelimporten abhängig – und die Menschen von Nahrungsmittelimporten. Dabei ist der Weg aus globalen Hungerkrisen längst bekannt: Investitionen in organische Dünger, Saatgut und agrarökologische Beratung“, betont Moser.

Brot für die Welt fördert Ernährungssicherheit

„Die lokalen Partner in den Ländern, in denen Brot für die Welt tätig ist, helfen Familien dabei, sich dauerhaft selbst zu versorgen und widerstandsfähiger gegenüber Klimakrisen und Ernteausfällen zu werden“, so Moser.

Gemeinsam mit lokalen Partnerorganisationen betreibt Brot für die Welt langfristige Projekte zur Ernährungssicherung. Dazu gehören nachhaltige Landwirtschaft, angepasstes Saatgut, eine bessere Wasserversorgung und Bildungsangebote. Zudem stärkt die Aktion für Entwicklungszusammenarbeit der Evangelischen Kirche Menschenrechte, Demokratie und Frieden und fördert den Zugang zu Bildung, Gesundheit und guter Ernährung.

Brot für die Welt bittet um Spenden an:

Diakonie Austria gemeinnützige GmbH
IBAN: AT67 2011 1287 1196 6366 | BIC: GIBAATWWXXX
Spendenzweck: Brot für die Welt

Online spenden unter: www.brot-fuer-die-welt.at/

Bildungsangebote für Ehrenamtliche: WeG präsentiert Umfrageergebnisse

Mi, 05/08/2026 - 12:00
Oliver Binder: „Ehrenamtliche wollen die Zukunft der Kirche aktiv und auf Augenhöhe gestalten“

Wels / Wien (epdÖ) – Einen klaren Bedarf an Bildungsangeboten, die Veränderungskompetenz, geistliche Vertiefung und praktische Befähigung zusammenführen, zeigt eine aktuelle Umfrage des Werks für Evangelisation und Gemeindeaufbau in der Evangelischen Kirche A.B. in Österreich (WeG). In den Wochen vor Ostern waren ehrenamtliche und freiwillig engagierte Mitarbeitende befragt worden, welche Bildungsangebote sie sich künftig wünschen. Beteiligt haben sich mehr als tausend Personen, die überwiegend bereits in kirchlichen Leitungs- und Gestaltungsrollen engagiert sind. Damit spiegeln die Ergebnisse vor allem die Perspektive der tragenden Kräfte bestehender Gemeinden.

„Überrascht war ich, wie viele Ehrenamtliche und Freiwillige sich bedankt haben, dass das Thema Ehrenamt/Freiwilligenengagement und die damit verbundene Bildung und Begleitung überhaupt sichtbar gemacht wird“, sagt Oliver Binder, Referent im WeG und verantwortlich für die Studie. Die Umfrage zeige die hohe Verbundenheit der ehrenamtlich und freiwillig Engagierten in der Evangelischen Kirche. „Sie wollen die Zukunft dieser Kirche aktiv und auf Augenhöhe gestalten“, betont Binder.

Die Umfrage brachte die stärksten Themenwünsche in der Weiterbildung hervor: An erster Stelle stehen die Zukunft der Kirche bzw. die Frage, wie Veränderungsprozesse geleitet werden können. Fast ebenso bedeutsam sind für die Befragten Spiritualität, die Relevanz des Glaubens im Alltag und die Sprachfähigkeit im Glauben. Als konkretes Weiterbildungsangebot werden hybride Angebote (in Präsenz, aber online übertragen/aufgezeichnet) bevorzugt.

Aktuelle Herausforderungen und Nöte

Manche der Befragten nutzten auch die Gelegenheit, auf Herausforderungen und Sorgen des Ehrenamts und der Freiwilligenarbeit hinzuweisen. Bei der Möglichkeit der „Offenen Kommentare“ wurde etwa von vielen eine bessere Kommunikation und ein partnerschaftlicher Umgang zwischen Hauptamtlichen und Freiwilligen eingefordert. Zudem wünschen sich viele Engagierte mehr Wertschätzung, aber auch Befähigung und Ermächtigung für ihre Aufgaben.

Vom Rückgang an Hauptamtlichen sowie geplanten Gemeindezusammenlegungen fühlen sich manche Ehrenamtliche überfordert. Oliver Binder: „Meine Hoffnung ist, dass wir endlich das Versprechen des allgemeinen Priestertums einlösen können: Nicht so sehr fixiert auf die Unterscheidung von Hauptamt, Ehrenamt, Besucher:innen – sondern alle als am Gemeindeleben aktiv Beteiligte.“

Auf der Grundlage der Umfrageergebnisse und Kommentare wird beim WeG bereits an künftigen Seminar-Formaten gearbeitet. Weitere Darstellungen der Ergebnisse und die Bearbeitung in verschiedenen kirchlichen Kontexten sind vorgesehen. Eine Zusammenfassung der Ergebnisse kann ab Oktober auf www.eundg.at heruntergeladen werden.

Die Begriffe Ehrenamt und freiwillig engagiert

Ehrenamt (EA) meint (im engeren Sinn) die Ausübung einer Funktion (z.B. in Gemeindevertretung, im Presbyterium oder als Lektor:in). Freiwillig engagiert (FE) meint alle Formen des unbezahlten Engagements. Dazu gehören auch unregelmäßige, einmalige oder nichtformale Formen der Mitarbeit.

Ökumenisches Gedenken für Sinti, Roma und Jenische im Stephansdom

Mo, 03/08/2026 - 12:16
Oberkirchenrätin Bachler: Jesu Seligpreisungen gelten für Ausgegrenzte

Wien (epdÖ) – Unter dem Motto „Erinnern, Würde bewahren, Gemeinsam Zukunft gestalten“ stand am Sonntag, 2. August, dem Holocaust-Gedenktag für Sinti, Roma und Jenische, ein ökumenischer Gedenkgottesdienst im Wiener Stephansdom. Liturgisch gestalteten den Gottesdienst der Wiener römisch-katholische Weihbischof Franz Scharl, die evangelisch-lutherische Oberkirchenrätin Ingrid Bachler, Pastor Karl Schmidt von der Freien Christen Gemeinde Jeschua sowie der orthodoxe Erzpriester Slavisa Bozic.

In seinen Seligpreisungen schaue Jesus auf „Menschen, die trauern, die ausgegrenzt werden, die nach Gerechtigkeit hungern“, sagte Bachler. Deshalb passten diese in der Bergpredigt formulierten Zusprüche in besonderer Weise zum Holocaust-Gedenktag für Sinti, Roma und Jenische. In ihrer Predigt erinnerte die Oberkirchenrätin an die Nacht vom 2. auf den 3. August 1944, als im Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau Tausende Angehörige dieser Volksgruppen ermordet wurden.

Jesus beginne seine Bergpredigt mit den Trauernden, unterstrich Bachler: „Vielleicht deshalb, weil Trauer ein Zeichen der Liebe ist. Wer trauert, sagt: Dieser Mensch war nicht gleichgültig. Er war einzigartig. Er hatte eine unantastbare Würde.“ Der Ökumenische Gedenkgottesdienst erinnere an Unrecht und gebe den Opfern ihre Würde zurück. Erinnerung sei „ein Akt der Gerechtigkeit“, betonte die Oberkirchenrätin.

Die Erinnerung setzte sich nach der Beendigung des Nazi-Terrors jedoch nicht automatisch durch, bedauerte Bachler und erinnerte an den Holocaust-Überlebenden und Sinto Otto Rosenberg, der nach seiner Befreiung aus dem Konzentrationslager auf einen Neuanfang gehofft habe. Doch sei er erneut mit Vorurteilen und Ablehnung konfrontiert worden. „Er erzählte, dass der Krieg zwar vorbei gewesen sei, das Misstrauen gegenüber Sinti und Roma und Jenischen aber nicht“, sagte Bachler und hielt fest: Unrecht ende nicht automatisch mit einem Friedensschluss. „Es endet erst dort, wo Menschen bereit sind, ihre Herzen zu öffnen“, so Bachler.

„Möge die Erinnerung an die ermordeten Sinti und Roma und die Jenischen unser Herz wach halten für jede Form von Menschenfeindlichkeit. Möge sie uns den Mut schenken, Brücken zu bauen, statt Mauern zu errichten“, fügte die Oberkirchenrätin ihrer Predigt hinzu. Frieden entstehe, so Bachler, nicht allein durch das Ende von Gewalt: „Frieden wächst dort, wo Menschen einander zuhören, wo sie die Geschichte des anderen ernst nehmen und wo sie sich gegen Ausgrenzung stellen.“

Für die musikalische Gestaltung sorgten Tini Kainrath mit der Sinti-Band sowie Martin Horvath und die Leon-Berger-Band u.a. mit der Roma-Hymne „Gelem Gelem“. Die Fürbitten wurden in Deutsch, Romanes, Sinti-Dikes und Jenisch gesprochen. Am Ende des Gottesdienstes mit Teilnehmenden aus Kirchen und Politik verlas Meinhard Rauchensteiner, Leiter der Abteilung für Wissenschaft, Kunst und Kultur in der österreichischen Präsidentschaftskanzlei, ein Grußwort von Bundespräsident Alexander Van der Bellen.

Hintergrund des ökumenischen Gottesdienstes war die Erinnerung an das Massaker in der Nacht vom 2. auf den 3. August 1944, als im Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau das sogenannte „Zigeunerfamilienlager“ aufgelöst und rund 4.300 Roma und Sinti ermordet wurden. 2015 erkannte das Europäische Parlament den Tag als Gedenktag für den Völkermord an Roma und Sinti während des Zweiten Weltkriegs an. In Österreich beschloss der Nationalrat im Jänner 2023 einstimmig, den 2. August als nationalen Gedenktag für die im Holocaust verfolgten und ermordeten Roma und Romnja sowie Sinti und Sintizze einzurichten.

Der Gottesdienst war Teil mehrerer Gedenkveranstaltungen rund um den 2. August. Bereits am 31. Juli hatten eine Kranzniederlegung des Parlaments beim Äußeren Burgtor sowie eine Gedenkfeier am Roma- und Sinti-Friedhof in Lackenbach stattgefunden. Den kirchlichen Abschluss bildet am 9. August die 30. internationale Roma-Wallfahrt nach Mariazell.

Gottesdienste am Berg, am Strand und im Autodrom

Mo, 03/08/2026 - 10:52
Die Sommer-„SAAT“ präsentiert Feiern an besonderen Orten

Wien (epdÖ) – Wer glaubt, dass Gottesdienste nur in Kirchen stattfinden, irrt. Es gibt sie auch an vielen anderen Orten. Denn es sind nicht die Gebäude, die eine geistliche Feier zu einem Gottesdienst machen – es sind die Menschen. Darum können evangelische Gottesdienste prinzipiell überall gefeiert werden, speziell jetzt im Sommer natürlich auch im Freien. Was ist das Besondere an ihnen? Aus der Fülle an Angeboten hat die Sommer-Ausgabe der evangelischen Kirchenzeitung „SAAT“ einige Beispiele ausgewählt.

Am Ufer vom Brennsee

„Wir sind hier in der schönsten Kathedrale der Welt – in Gottes freier Natur“, sagt Pfarrer Michael Guttner aus Feld am See in Kärnten. Und in dieser „Kathedrale“, am Ufer des Brennsees, feiert die Gemeinde seit Jahrzehnten jedes Jahr im Juli zum Auftakt der populären „Fischwoche“ den Gottesdienst „Abendlob am See“. Dieser orientiert sich nicht an der klassischen Liturgie, beinhaltet dennoch Psalmen, Gebete, Predigt und Lieder. Für die Musik sorgt die Trachtenkapelle Feld am See. So gut wie immer wird dabei das bekannte Lied „Geh aus mein Herz …“ gesungen, denn „das gehört einfach dazu“, so Guttner.

Besucht wird dieser Open Air-Gottesdienst von Gemeindegliedern genauso wie von Touristen – und die kommen nicht nur zu Fuß. „Während des Gottesdienstes rudern oft Menschen mit Booten heran, um mitzufeiern“, erzählt der Ortspfarrer. Dass die Leute bei diesen Gottesdiensten besonders berührt sind, liegt für ihn auch an der Stille des Sees, „die diese eigentümliche Stimmung verbreitet“.

Guttner, für viele Menschen eine „Pfarrer-Institution“ hier im Kärntner Gegendtal, zelebriert am Brennsee auch oft Hochzeiten oder Taufen, „bei denen der Taufpate das Wasser in der Taufschale aus dem See holt“, schildert er ein fast biblisches Bild. Übrigens: Bei der Kurpredigertragung in Feld am See letzten Sommer stieß die Abendandacht am Brennsee auf derartige Begeisterung, dass es dort heuer erstmals auch im August Abendgottesdienste geben wird.

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Für Schausteller im Autodrom

Schausteller-Gottesdienste mit Pfarrer Schumann (3.v.r.), wie hier auf der Klagenfurter Herbstmesse, werden meist im Autodrom gefeiert. (Foto: privat)

„Oft bin ich der Einzige, der Schausteller regelmäßig begleitet – verlässlich, über Jahre hinweg“, erzählt Pfarrer in Ruhe Stefan Schumann. Seit 1991 hat er eine Beauftragung der Evangelischen Kirche für die Circus- und Schaustellerseelsorge. „Für viele bin ich nicht nur Seelsorger, sondern ein vertrautes Gesicht, oft ein Teil ihrer Gemeinschaft.“ Schausteller sind im Wiener „Wurstelprater“ und auf Volksfesten mit ihren Vergnügungsparks zuhause. „Von Wien bis Bregenz, von Graz bis Linz folge ich ihren Routen und bin ein Stück mit ‚auf der Reise‘, kenne ihre Plätze, ihre Sorgen und ihre Geschichten“, erzählt Schumann.

Etwa 15 Gottesdienste im Jahr in ganz Österreich feiert er für die Schausteller, meistens zwischen April und November. Veranstaltet von den Ausrichtern des Marktes sind sie ökumenisch – auch wenn Schumann manchmal der einzige Pfarrer ist – und werden, bis auf zwei im Schweizerhaus im Prater, im Autodrom gefeiert. „Der Biertisch wird zum Altar“, schildert Schumann das Ambiente. So wird das Autodrom zur Kirche, ein Gastraum im Schweizerhaus zur Kapelle. „Wenn ich komme, zieht mit mir die Kirche ein“. Die Gottesdienste sind schlicht, vertraut „und genau deshalb so wertvoll“, ist Schumann überzeugt. „Denn wer den ganzen Tag Lärm und Tempo erlebt, sucht nicht das Spektakel, sondern einen Moment des Innehaltens und der Ruhe.“ Gottesdienste also als Oase der Ruhe im Trubel des Schausteller-Alltagsgeschäftes.

Woodstock der Blasmusik

Keineswegs ruhig geht es beim jährlichen Musikfestival „Woodstock der Blasmusik“ in Ort im Innkreis zu. Seit einigen Jahren gibt es am Festival-Sonntag (heuer war es der 5. Juli) auf der großen Bühne einen ökumenischen Festgottesdienst, initiiert von den Veranstaltern. Eine der beteiligten Personen ist die Festivalseelsorgerin Sarah Fleischhauer. Was diesen Gottesdienst von anderen unterscheidet sind für sie die vielen Instrumente, die Lautstärke – und die rund 500 Mitfeiernden auf Bierbänken direkt vor der Bühne sowie tausende mehr, die am riesigen Festivalgelände mitfeiern. Dass dieser Gottesdienst in ein mehrtägiges, fröhliches Festival eingebunden ist, gibt ihm zudem eine besondere Dynamik und viele Möglichkeiten zur Begegnung. Und der Gottesdienst von der „Main Stage“, also der Hauptbühne des Festivals, wird jedes Jahr live übertragen im Fernsehen und im Radio.

Miteinander Beten, Singen, Essen und Trinken am Berg

Leger, unkompliziert und viel frische Luft: So könnte man Berggottesdienste beschreiben. Sie werden in Österreich im Sommer – im wahrsten Sinne des Wortes „naturgemäß“ – vielerorts angeboten. Nicht weniger als fünf jeden Sommer bietet der Pfarrgemeindeverband „Evangelische Kirche im Pinzgau“ (mit den Kirchen Zell am See und Saalfelden) am Hintersee und auf der Schmittenhöhe an. „Es erfüllt mich mit ungeheurer Dankbarkeit, in einer solchen Region mit all ihren Naturschönheiten leben und arbeiten zu dürfen“, sagt Ortspfarrerin Rahel Hahn. Es liege daher auf der Hand, „diese Dankbarkeit in all ihren Facetten Gott gegenüber zum Ausdruck zu bringen“. Außerdem sind die Berge genau die Orte, „wo wir zu ganz unterschiedlichen Menschen, Einheimischen wie Tourist:innen, Zugang finden“, so Hahn.

Schon das erste Zusammentreffen vor der Fahrt mit der Schmitten-Bahn oder am Parkplatz Richtung Hintersee ermögliche Gespräche mit den Gästen bzw. sei ein erstes Einstimmen auf das gemeinsame Feiern, schildert die Pfarrerin die besondere Gemeinschaft. Der Gottesdienst selbst läuft schlicht ab. „Wir haben keinen Altar. Der Aufwand ist also entsprechend gering, da wir nur ein paar Liedblätter, ein Instrument und eine Stola mitbringen müssen“, so Hahn. Wesentlich ist auch das Zusammensein danach: „Miteinander Feiern, Beten, Singen, Lachen, Essen, Trinken. Und das ist ja auch genau das, was Jesus mit den Seinen praktizierte: Gottgeschenkte Lebensfreude mit allen Sinnen!“

Im Strandkorb an der Nordsee

Als Kurprediger hält Pfarrer Michael Wolf aus Wien Andachten und Gottesdienste an der Nordsee. (Foto: H. Wolf)

Von Berggipfeln nun ein weiter Sprung an die Nordsee, auf die Inseln Juist und Langeoog. Dort am Strand, an der Waterkant, feiert im Sommer seit über 30 Jahren Pfarrer Michael Wolf aus Wien als Kurprediger Gottesdienste und Andachten. „Das Besondere: Es ist mitten in der Natur, die Elemente sind spürbar, das Meer und die Natur spielen mit, man kann die Schöpfung spüren“, erzählt er gegenüber der SAAT. Nachsatz: „Mit allem Schönen – aber durchaus auch mit Bedrohlichem wie Sturm oder Regen.“

Montags, mittwochs und freitags um 9 Uhr bietet Wolf Andachten am Strand an – in einem Strandkorb mit der Aufschrift „Kirche“. Selbst bei extremem Wind und Regen kommen jedes Mal ungefähr zehn Menschen für etwa 20 Minuten zusammen. Wolf verzichtet auf eine fixe Liturgie, nicht aber auf Gebete, Tageslosung, Auslegung, Singen. Er erlebt, dass sich die Menschen in ihrem Urlaub „mit Fragen der Spiritualität“ auseinandersetzen.

Wesentlich größer ist der jährliche ökumenische Gottesdienst mit den Seenotrettern. „Einmal im Jahr stellen sie ihre Arbeit vor, und dieser Tag beginnt mit einem Gottesdienst“, berichtet Wolf. Hier geht es einerseits um den Dank an die Menschen, die andere aus der See retten. Andererseits wird dabei auch den Opfern der See gedacht. Diesen Gottesdienst feiert Wolf am Landungssteg der Seenotretter auf Langeoog, mit Posaunenchor, Predigt und vielen Besuchern. „Es geht darum: Seid vorsichtig und fordert nichts heraus im Umgang mit dem Meer“, so der Kurprediger aus Österreich.

Gedenken an den Geheimprotestantismus

Vorsichtig mussten im 17. und 18. Jahrhundert auch evangelische Christen in Österreich sein – aber aus einem ganz anderen Grund: In den Jahrzehnten der Gegenreformation konnten sie ihren Glauben nur im Verborgenen leben. Ihnen zum Gedenken – und aus Dankbarkeit für die Religionsfreiheit heute – versammeln sich jedes Jahr am 15. August vor der Seekarhöhle in der Nähe von Gosau rund 100 Personen zum Seekargottesdienst. Veranstaltet von der evangelischen Pfarrgemeinde Gosau zusammen mit dem Tourismusverband erinnert er an die österreichische Religionsgeschichte. „Genau hier wurden während des Geheimprotestantismus evangelische Gottesdienste gefeiert“, weiß Ortspfarrerin Esther Eder. Wie wichtig dieser Ort für die Identität und Glaubenswurzeln der Evangelischen im Salzkammergut ist, zeigt sich daran, dass sich dieser Gottesdienst im Sommer seit Jahrzehnten etabliert hat. Musikalisch begleitet wird er von einer Bläsergruppe der Gosauer Trachtenmusikkapelle.

Etwa die Hälfte der Gottesdienstbesucher:innen sind Evangelische aus Gosau und dem Salzkammergut, ein Drittel der Feiernden sind Touristen. Vom Ort Gosau sind es etwa zwei Stunden zu Fuß, aber „es besteht auch die Möglichkeit, den Großteil des Weges mittels eines Shuttle-Dienstes zu fahren“, weist Eder darauf hin, dass jeder Interessierte zur Seekarhöhle kommen kann. Bei diesen Gottesdiensten ist es ihr wichtig, „eine Brücke zu schlagen zwischen den Feiernden im Geheimen damals und unserer heutigen Glaubenswelt und unserem Alltag“. Auf den Punkt gebracht: „Wir sind eingeladen, uns in manchen Bereichen vom Glauben unserer Vorfahren eine Scheibe abzuschneiden.“

Den Gottesdienst selbst feiert die Gemeinde vor der Seekarhöhle. Kinder genauso wie Erwachsene sind im Anschluss eingeladen, in den Berg hineinzugehen. Ausgestattet mit Kerzen und Lampen kann man dann erspüren, wie Evangelische hier einst im Verborgenen Gottesdienste abhielten – an einem ganz besonderen Ort.

„Ganz anderes Setting“

Gottesdienste abseits von Kirchengebäuden haben ein spezielles Flair. Sie bieten langjährigen Gemeindemitgliedern die Möglichkeit, Gott anders und neu zu erleben. Viele kirchenferne Menschen wiederum tun sich leichter, diese Angebote zu besuchen. „Ich schätze bei Berg-Gottesdiensten einfach den Wert des Niederschwelligen“, betont Rahel Hahn. „Wenn die Frau Pfarrer, die sonst in Talar bzw. Albe im Kirchenraum steht, am Berg in der Wanderkluft neben dir auf der Zirbenholzbank sitzt, dann ist das ein ganz anderes Setting.“ Gottesdienste im Freien bergen zudem die Chance zu einem intensiven Erlebnis, wie Michael Wolf ergänzt: „Es ist schon etwas Besonderes, wenn man einen Schöpfungspsalm liest und betet und angesichts des Wassers und Meeres selbst erlebt, was der Psalmbeter erlebt hat. Das ist viel spürbarer als in einem Kirchenraum.“

Feiert Ihre Pfarrgemeinde auch Gottesdienste an besonderen Orten? Haben Sie schon mal einen Gottesdienst abseits einer Kirche erlebt, der besonders eindrucksvoll für Sie war?

Schreiben Sie uns von Ihren Erfahrungen, per E-Mail an: znvygb:fnng@rci-rinat.ng">fnng@rci-rinat.ng

Aufatmen

Sa, 01/08/2026 - 07:00
Michael Chalupka über den Sinn des Urlaubs

Atem schöpfen. Aufatmen. Dazu ist der Urlaub da. Auch wenn unterm Jahr so manche Belastung weggeatmet werden muss, einem die Luft weg bleibt vor Wut, der Atem vor Schreck stockt oder man den Terminen hinterher hechelt.

Im Urlaub gilt es, Atem zu schöpfen. Jeder Atemzug schenkt uns Leben. Ohne geht es nicht. Und trotzdem schenken wir ihm so wenig Beachtung. Es passiert einfach. Mal schneller, mal langsamer, zwischen 12- und 18-mal in der Minute. Pro Tag atmen wir durchschnittlich 12.000 Liter Luft ein, und die Oberfläche unserer Bronchien entspricht der Größe eines Fußballfelds, habe ich gerade in meiner Kur in einem Luftkurort gelernt.

Der Atem ist Leben. Und er ist mehr als rein biologische Vorgänge. Der verstorbene Schweizer Dichter und Pfarrer Kurt Marti hat diesem Gedanken schöne Worte gegeben: „Mein Atem geht – was will er sagen? Vielleicht: Schau! Hör! Riech! Schmeck! Greif! Lebe! Vielleicht: Gott atmet in dir mehr als du selbst. Und auch: In allen Menschen, Tieren, Pflanzen atmet er wie in dir. Und so: Freude den Sinnen! Lust den Geschöpfen! Frieden den Seelen!“

Was will der Atem sagen? Um darauf eine Antwort zu finden, muss man ihm zuerst zuhören. Atem schöpfen. Aufatmen. Dazu ist der Urlaub da. Wer weiß, vielleicht hört der eine oder die andere dann im eigenen Atem den Widerhall des göttlichen Odems, der uns das Leben schenkt. Vielleicht. Der Versuch ist es wert, und gesund ist es obendrein.