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Wien: Enzyklopädie „Die Bibel und die Frauen“ präsentiert
Wien (epdÖ) – „Die Bibel und die Frauen – Wir geben Frauen ihre Geschichte zurück!“ lautete der Titel einer Buchpräsentation am 20. Oktober in der Lutherischen Stadtkirche in Wien. Vorgestellt wurde eine exegetisch-kulturgeschichtliche, 22-bändige Enzyklopädie nach mehreren Jahren interdisziplinärer Forschung im Rahmen des internationalen Großprojekts „Die Bibel und die Frauen“.
„Es liest sich wie ein Who is Who der Theologie“, betonte Bischöfin Cornelia Richter, die durch den Abend führte. „Alles, was Rang und Namen hat“, sei darin vertreten, sagte Richter über die große wissenschaftliche Autor:innenschaft an dem Werk unter der Leitung der Theologin Irmtraud Fischer, emeritierte bzw. langjährige Professorin für Alttestamentliche Bibelwissenschaft an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Karl-Franzens-Universität Graz.
Das internationale Forschungs- und Publikationsprojekt zählt zu den bedeutendsten Vorhaben der theologischen Frauen- und Geschlechterforschung der letzten Jahrzehnte. Dabei wurde erstmals systematisch die Rezeptionsgeschichte der Bibel aus der Perspektive von Frauen rekonstruiert – von den Anfängen im Judentum bis in die Gegenwart.
Ein Ziel des an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Graz initiierten Projekts sei es gewesen, möglichst vielen Frauen die Mitarbeit an einem Forschungsprojekt zu ermöglichen, erklärte Fischer im Gespräch mit Richter. Im Laufe der Jahre habe sich die feministische Forschung bzw. Genderforschung „stark verändert“, erinnerte die Projektleiterin.
Dass die Feministische Forschung auch gegenwärtig viele junge Wissenschaftlerinnen fasziniert und fachübergreifend durchgeführt wird, zeigte sich vor allem im Gespräch zwischen Professorin Irmtraud Fischer und Ann-Kathrin Armbruster von der Universität Bonn. Sie hat in ihrer Dissertation im Fach Systematische Theologie die Rezeption des Medea-Motivs intensiv bearbeitet.
Die Auslegungsgeschichte der Bibel durch Frauen, genderrelevante Texte und Rechtstexte zählten zu den Schwerpunkten des Projekts. Fischer hob „viele Marker“ biblischer Schriften hervor, die auf eine weibliche Weltsicht hinweisen. Als Beispiel nannte sie das Buch Ruth, welches die soziale Realität für Frauen in der patriarchalen Gesellschaft des antiken Israel thematisiert. „Das Buch Ruth legt es nahe, dass es von einer Frau geschrieben ist“, unterstrich Fischer.
Schließlich waren 304 wissenschaftlich arbeitende Menschen weltweit an dem Großprojekt beteiligt. Fertig gestellt sei zunächst die deutsche Ausgabe, „die italienische und spanische Ausgabe folgen hoffentlich nächstes Jahr“, so die Projektleiterin.
Die Reihe der Enzyklopädie ist in vier Sprachen erarbeitet worden und u.a. im Kohlhammer Verlag erschienen.
Infos zur Enzyklopädie unter www.bibleandwomen.org.
„Taste of Prison“ – Rezepte und Geschichten aus dem Gefängnis
Wien (epdÖ) Zum Kochen im Gefängnis braucht es vor allem eines: Kreativität – bei Zutaten ebenso wie bei Küchengeräten. Da wird schon mal die Filtermaschine zum Toaster oder zur Grillplatte für Berner Würstel. Selbst die Glasur für das Häfn-Tiramisu schmilzt dort. Unter dem Titel „Taste of Prison“ versammelt das ganz andere Kochbuch Rezepte aus der Justizanstalt Wien-Josefstadt. Herausgeben wurde das Buch, das neben Rezepten zugleich auch ein Gesellschaftsporträt aus Österreichs größtem Gefängnis bietet, von der evangelisch-lutherischen Bischöfin Cornelia Richter und der evangelischen Gefängnisseelsorgerin Daniela Schwimbersky im Auftrag der Evangelischen Kirche A.u.H.B. in Österreich. Am Dienstagabend, 20. Oktober, konnte Schwimbersky das Kochbuch vor zahlreichen Gästen im Großen Schwurgerichtssaal des Landesgerichts präsentieren.
Die Idee zum Kochbuch stammte von einem Insassen, erzählt die Gefängnisseelsorgerin. Bei einem Gespräch am Gang vor seinem Haftraum – es duftete nach warmen Paradeisern und gebratenem Paprika – entstand der Wunsch, die eigenen Rezepte weiterzugeben. Aus ein paar kopierten Zetteln wurde über vier Jahre hinweg ein Buch, an dem Inhaftierte, Justizwachebeamt:innen und die Gefängnisseelsorge mitgearbeitet haben.
Kochplatten haben nur wenige Inhaftierte zur Verfügung. Aber mit einiger Kreativität kann die Kaffeemaschine auch toasten und braten. (Foto: Daniel Domig)
Zwischen den Rezepten erzählen Autor:innen in Haft anonym und im O-Ton von ihrem Alltag: vom Einkauf über die Ausspeisliste, vom Würzen mit Pfefferkörnern, die vorher aus der Suppe gesammelt wurden, von selbstgemachten Pflegeprodukten wie dem Peeling aus Kaffeesud, Olivenöl und Honig und von der Kochgruppe im Maßnahmenvollzug. Justizwache und Seelsorge ergänzen ihre Perspektiven. Die Fotografien von Daniel Domig führen bis in die Hafträume.
Aber warum kochen Häftlinge überhaupt? Kochen hat auch viel mit Resilienz zu tun, erklärt Bischöfin Cornelia Richter in dem Buch. Wer in Haft ist, verliert jeden Spielraum äußerer Autonomie. Genau die ist aber ein zentraler Faktor, um Krisen zu bewältigen. „Kochen gibt ein Stück Selbstwirksamkeit zurück“, ist Richter überzeugt. „Etwas Gutes zu kochen, das einem selbst und vielleicht auch den anderen schmeckt, ist ein Erfolg, in dem sich viele Resilienzfaktoren abbilden“, bekräftigt die Bischöfin. Gerade in einer Gemeinschaftsküche lerne man auch, sich in andere hinein zu versetzen und deren Bedürfnisse wahrzunehmen. „Schon die Entscheidung, was man kochen möchte, ist ein kleiner Schritt in die Autonomie des Alltagslebens“, so Richter.
Froh über das ungewöhnliche Buchprojekt: (hinten v.l.n.r.) Bezirksvorsteher Martin Fabisch, Leiterin der JA Josefstadt Krista Schipper, Gefängnisseelsorgerin Daniela Schwimbersky, (vorne v.l.n.r.:) Superintendent Matthias Geist, Präsident des Landesgerichts für Strafsachen Wien Friedrich Forsthuber, Fotograf und Grafiker Daniel Domig, katholischer Gefängnisseelsorger Jonathan Werner. (Foto: B. Dopplinger)
„Taste of Prison“ wolle die Alltagswelt im Gefängnis sichtbar machen und zugleich die Frage stellen, wie eine Gesellschaft mit Menschen umgeht, die wieder Teil von ihr werden sollen, sagt Daniela Schwimbersky. „Strafvollzug ist eine eigene Welt“, meinte die Leiterin der Justizanstalt Josefstadt, Krista Schipper, bei der Präsentation. Ohne kompetente Mitarbeiter:innen wäre die Betreuung unter den jetzigen Rahmenbedingungen „undenkbar, das hätten wir uns in den schlimmsten Träumen nicht vorgestellt“. Das Team gehe täglich an Grenzen, wenn der Belag nicht „deutlich“ reduziert werde, „werden die Leute auf allen Ebenen sukzessive ausbrennen“. Auf die untragbaren Rahmenbedingungen wies auch Friedrich Forsthuber, Präsident des Landesgerichts Wien, hin. Rund 800 Plätze stehen etwa in der Justizanstalt Josefstadt zur Verfügung, derzeit sind 1150 Personen dort untergebracht. „Gefängnisse sollten keine Verliese sein, wo man Leute nur mehr verwahrt“, unterstrich Forsthuber. Räumliche ebenso wie personelle Ressourcen würden dringend benötigt, um eine „menschliche Betreuung“ sicherzustellen. Die Qualität einer Gesellschaft sei darin zu erkennen, wie sie mit „den Schwächsten“ umgeht, betonte Bezirksvorsteher Martin Fabisch, der vor einiger Zeit bei einem Besuch die Situation in der Justizanstalt kennenlernen konnte. Natürlich gehe es um Strafvollzug, aber auch um Menschenwürde. Der Wiener Superintendent Matthias Geist, über viele Jahre selber in der Gefängnisseelsorge tätig, hob den hohen Wert dieses Seelsorgebereiches hervor, der schon seit vielen Jahrzehnten von der Evangelischen Kirche wahrgenommen werde. Dankbar zeigte sich Geist, dass die Gefängnisseelsorge in der Justizanstalt Josefstadt nun in intensiver Kooperation ökumenisch wahrgenommen werde.
Das 176 Seiten und viele Farbabbildungen umfassende Buch ist im Handel zum Preis von 24,50 Euro erhältlich. Mit dem Kauf des Buches werden Sprachlernangebote für Inhaftierte sowie der Verein StoP – Stadtteile ohne Partnergewalt unterstützt.
Daniela Schwimbersky, Cornelia Richter (Hg.): Taste of Prison – Rezepte und Geschichten aus der Justizanstalt Wien-Josefstadt.
Verlag Ferdinand Berger & Söhne, Horn 2026. 176 Seiten. ISBN 978-3-99137-123-6. € 24,50.
Wien: Religionen und Politik feiern den christlich-jüdischen Dialog
Wien (epdÖ) – Zu einem Festakt anlässlich seines 70-jährigen Bestehens lud der Koordinierungsausschuss für christlich-jüdische Zusammenarbeit (KooA) mit Präsidentin Regina Polak an der Spitze am 19. Oktober in das Wiener Rathaus. Unter dem Leitwort „Hören. Erinnern. Handeln.“ widmete sich die Feier der Frage, welche Verantwortung aus 70 Jahren christlich-jüdischer Zusammenarbeit für Kirche, Religionsgemeinschaften und Gesellschaft erwächst.
Gekommen waren zu der Feier hochrangige Vertreter der Politik, der Kirchen und Religionen, darunter etwa der Wiener Bürgermeister Michael Ludwig, der Vorsitzende des Ökumenischen Rates der Kirchen in Österreich, Bischof Tiran Petrosyan, Gemeinderabbiner Shlomo Hofmeister oder der evangelisch-reformierte Landessuperintendent Ralf Stoffers. Bürgermeister Ludwig würdigte in seinem Grußwort die Anfänge des KooA in einer Zeit nur wenige Jahre nach dem Ende der Shoah. Dies sei damals alles andere als selbstverständlich gewesen, so Ludwig, der u. a. die Verdienste des damaligen Wiener Erzbischofs (und späteren Kardinals) Franz König hervorhob. Ludwig hielt fest, dass sich die Stadt Wien von Radikalismus jeglicher Art nicht in die Knie zwingen lassen werde. Es sei ihm wichtig, dass die Religionen in der Stadt gut zusammenarbeiten und das Verhältnis von Respekt und Vertrauen geprägt ist. Bei allen Verdiensten des KooA oder auch des seit einiger Zeit bestehenden Wiener Religionsrates gebe es immer noch viel Luft nach oben. Der Dialog müsse engagiert weitergeführt werden, so der Bürgermeister.
Der Vorsitzende des Ökumenischen Rates der Kirchen in Österreich (ÖRKÖ), Bischof Tiran Petrosyan, sprach den Wunsch aus, „dass jüdische und christliche Kinder und Jugendliche einander besser kennenlernen, miteinander ins Gespräch kommen und gemeinsam entdecken, wie bereichernd Verschiedenheit sein kann“. Vorurteile würden dort an Kraft verlieren, „wo Menschen einander persönlich begegnen und den anderen nicht als Fremden, sondern als Mitmenschen wahrnehmen“. Der bisherige, in Israel lebende Wiener Oberrabbiner Jaron Engelmayer sandte seine Glückwünsche per Video. Er wünsche dem KooA u. a. eine große Flächenwirkung und Verbreitung der gemeinsamen Botschaften in weiten Kreisen der Bevölkerung, um damit den toleranten und respektvollen Umgang mit der anderen Religion weiter zu fördern. Zudem möge es dem Ausschuss auch gelingen, Aktualität und gesellschaftliche Relevanz einzubringen, und gleichzeitig verbunden mit akademischer Qualität und religiösem Spirit eine Brücke der verschiedenen Welten schlagen zu können.
Videobotschaften kamen von Bundespräsident Alexander Van der Bellen, Kultusministerin Claudia Bauer und Staatssekretär Alexander Pröll. Van der Bellen würdigte die Arbeit des KooA, der den Boden für ein vielfältiges interreligiöses Miteinander in der Gesellschaft bereite. Pröll und Bauer riefen zum entschiedenen Einsatz gegen Antisemitismus auf. Dies sei eine umfassende Aufgabe für den Staat, die Religionen, den Bildungsbereich bzw. alle Akteure der Zivilgesellschaft.
Stoffers: Vision umgesetzter ZieleDer reformierte Landessuperintendent Ralf Stoffers sprach bei der Feier von der bestmöglichen Vision, dass es den KooA einmal nicht mehr benötigen werde, da dessen Ziele und Prinzipien vielfach in der Gesellschaft bzw. den Kirchen und Religionen umgesetzt werden. Stoffers kündigte an, sich dafür in seinem Zuständigkeitsbereich einzusetzen, und lud dabei alle Anwesenden ein, in je ihrem „Verantwortungsbereich Selbiges zu tun“. Dem Koordinierungsausschuss wünschte Stoffers „weiterhin alles Gute, Kraft, Geduld, Humor, Gelassenheit und Kreativität sowie Gottes Segen.“
Der römisch-katholische Linzer Bischof Manfred Scheuer, der fast 20 Jahre in der Österreichischen Bischofskonferenz für den Dialog mit dem Judentum verantwortlich war, betonte in seinem Grußwort, dass echter interreligiöser Dialog kein rein theoretischer Austausch sei. Vielmehr sei es eine existenzielle Notwendigkeit, bei der die Begegnung mit dem Anderen das eigene Ich aufbrechen und transformieren muss. Dazu brauche es die Erfahrung der Begegnung von Angesicht zu Angesicht. Scheuers Nachfolger als zuständiger Bischof für den Dialog mit dem Judentum, der Eisenstädter Bischof Ägidius Zsifkovics, übersandte eine Videobotschaft, in der er den christlich-jüdischen Dialog als Dauerauftrag bezeichnete, mit Vorbildwirkung für den Dialog in anderen Bereichen von Religion und Gesellschaft.
Beim Festakt kamen auch der frühere KooA-Präsident Martin Jäggle, Vizepräsident Willy Weisz, Vizepräsidentin Margit Leuthold und Gemeinderabbiner Shlomo Hofmeister zu Wort. Dabei betonten alle vier u. a., dass sich durch die vertiefte Begegnung und Kenntnis der jeweils anderen Religion der eigene Glaube vertieft habe. Der langjährige Generalsekretär des Ausschusses, Markus Himmelbauer, gab in seinem Vortrag im Rathaus einen Überblick über die 70-jährige Geschichte, mit vielen Meilensteinen, aber auch so manchen Schwierigkeiten. Für die junge Generation des KooA sprachen der evangelische Kirchenhistoriker Leonhard Jungwirth, die katholische Theologin Julia Verbeek und Eidel Malowicki, eine Nachkommin von Opfern des Holocausts. Dabei ging es auch darum, unterschiedliche Positionen und Perspektiven ernst zu nehmen und trotzdem im Gespräch zu bleiben. Gleichzeitig gelte es, den Dialog auszuweiten, etwa auf den Islam oder die zunehmende Zahl von Menschen ohne religiöses Bekenntnis.
Die musikalische Umrahmung des Festakts übernahmen Mika Ehrlich (Gesang), Bella Schütz (Klavier) und Nikolaus Zierotin (Geige). Auch die Poetry-Slam-Künstlerin Helene Ziegler sorgte mit ihrer Darbietung für großen Beifall.
70 Jahre DialogDer Koordinierungsausschuss für christlich-jüdische Zusammenarbeit gilt als ältestes Forum des christlich-jüdischen Dialogs in Österreich und bemüht sich um gute Beziehungen zwischen den beiden Religionen. Kardinal Franz König (1905 – 2004) initiierte den Ausschuss 1956 auf Anregung von Kurt Schubert (1923 – 2007), dem Doyen der österreichischen Judaistik. Der Ausschuss trug nach der Shoah wesentlich dazu bei, dass ein neues Verhältnis zwischen Judentum und Christentum in Österreich möglich wurde. Die Arbeitsbereiche sind Dialog, Bildung, öffentliche Kommunikation und Wissenschaft. Der Vorstand muss laut Statut zu je einem Drittel jüdisch, evangelisch und katholisch besetzt sein. Laut KooA-Webseite zählt der Koordinierungsausschuss aktuell mehr als 410 Mitglieder und 28 Partner. Neben KooA-Präsidentin Regina Polak sind Dechant Ferenc Simon und die Direktorin des Katholischen Bibelwerks, Elisabeth Birnbaum, die weiteren katholischen Vertreter im Vorstand. Die evangelischen Vertreter sind Vizepräsidentin Margit Leuthold, der Historiker Leonhard Jungwirth und Pfarrer Stefan Fleischner-Janits. Von jüdischer Seite gehören Vizepräsident Willy Weisz sowie die Historiker Awi Blumenfeld und Mitchell Ash dem Vorstand an. Geschäftsführer des Koordinierungsausschusses ist seit 2020 der jüdische Religionswissenschaftler Yuval Katz-Wilfing.
Infos: www.christenundjuden.org
Axmann: Der Polarisierung entgegenwirken und Menschen ins Gespräch bringen
Graz / Wien (epdÖ) – Der Grazer Rechtsanwalt Michael Axmann ist Initiator des „Steiermärkischen Toleranzpreises“ und ebenso Vorsitzender des Vereins zur Vergabe dieser Auszeichnung. Im Interview mit dem Top Leader Online Magazin widmet sich der 54-jährige dem Thema Toleranz in einer zunehmend polarisierten Gesellschaft. Ehrenamtlich ist Axmann seit über zehn Jahren als Superintendentialkurator der Evangelischen Diözese Steiermark tätig.
„Ich habe mich mit mehreren Leuten immer wieder zu diesem Thema ausgetauscht und bemerkt, dass Toleranz immer mehr in den Hintergrund tritt, dass es eine zunehmende Polarisierung der Gesellschaft gibt“, erzählt Axmann, wie die Idee zu diesem Preis entstand. Es gehe dabei übrigens nicht nur um Migration, sondern auch um gesellschaftliche Entwicklungen durch Corona und soziale Medien. „Toleranz ist ein klar multifaktorielles Thema“, betont Axmann.
Die Idee für den Toleranzpreis sei die daraus folgende Überlegung gewesen, welche Haltungen zu einem friedlichen und guten Zusammenleben in der Gesellschaft führten. „Wir alle sind mit unseren Vorlieben, Eigenheiten und Prägungen unterschiedlich. Wenn wir dies akzeptieren und vielleicht sogar die positiven Seiten an einer Vielfalt erkennen, wird uns ein gutes Miteinander gelingen“, zeigt sich Axmann überzeugt.
Offen über Ängste und Gefühle reden„Nun leben wir eben in einer Phase, in der es wichtig ist, der Polarisierung entgegenzuwirken und Menschen ins Gespräch zu bringen“, sagt Axmann im Interview mit dem Top Leader Online Magazin weiter. Wobei er offen eingesteht, dass „in Wahrheit tolerantes Verhalten unglaublich schwierig und herausfordernd“ sei. Wichtig erscheine es ihm, „offen über Ängste und Gefühle zu reden, im Kleinen und im Großen“.
Im Gespräch mit dem Netzwerkmedium für Führungskräfte stellt der Initiator der Auszeichnung auch klar, dass „wir vom Steiermärkischen Toleranzpreis nicht die Experten im Thema Toleranz“ sind. Die Experten seien vielmehr „unsere drei Preisträger-Initiativen beziehungsweise die Menschen, die hinter diesen großartigen Projekten stehen“.
Steiermärkischer ToleranzpreisAm 13. November findet in der Aula der Karl-Franzens-Universität Graz die erste Verleihung des neugeschaffenen Toleranzpreises statt. Der Hauptpreis geht an die ARGE Jugend – Fachstelle für Gewaltprävention und zwei Förderpreise an die Theaterakademie von LebensGroß sowie den Verein gemma! GEMEINSAM MACHEN. Der Hauptpreis ist mit 25.000 Euro dotiert, die zwei Förderpreise mit je 7.500 Euro.
Die zwölfköpfige Jury ist ein buntes Abbild der Gesellschaft: Je zwei Jurymitglieder wurden vom ökumenischen Forum, vom interreligiösen Beirat sowie von der Rektorenkonferenz der Universitäten nominiert, je eine Person von den Sponsoren sowie drei Personen vom Gründungskomitee. Den Juryvorsitz hatte heuer Heidrun Primas, Beraterin im Kulturfeld und Sozialbereich. Beabsichtigt ist, dass der Preis alle zwei Jahre verliehen wird. Den Juryvorsitz soll jedes Mal eine andere Persönlichkeit übernehmen.
Das komplette Interview mit Michael Axmann können Sie hier lesen.
Vertrauenssache
Stabile Beziehungen machen glücklich. Ich bin meiner Friseurin seit 40 Jahren treu. Alle sechs Wochen fragt sie mich, wie kurz? Das gehört zum Ritual. Wir vertrauen einander.
Juanita, die Frau des Pfarrers Rudy Rasmus von der St. John’s Kirche in Houston in Texas, ließ sich Anfang der 90er Jahre von Tina Knowles die Haare schneiden. Zwei Mädchen wuchsen im Salon auf. Kehrten die Haare weg. Dazwischen sangen und tanzten sie den Kundinnen etwas vor. Und sie gingen in die Kirche zu Pfarrer Rudy und seiner Frau und sangen dort im Kirchenchor. Vertrauen wuchs. Am Ende einer langen Geschichte stand die Band Destiny’s Child mit ihren Welterfolgen.
Von den Einnahmen ihrer ersten Single finanzierte die Band ein Jugendzentrum der Pfarrgemeinde, das Knowles-Rowland House. Nachdem das Gebäude über die Jahre durch Hurrikan und Feuer schwer beschädigt worden war, haben Beyoncé und Kelly Rowland das Projekt im Oktober 2026 runderneuert. Für rund 8,4 Millionen US-Dollar wurde der ehemalige Jugendkomplex in eine Wohnanlage mit 31 Apartments für obdachlose Menschen umgebaut.
Bei der Eröffnung des neuen Hauses haben Beyoncé und Kelly Rowland dem Pfarrer-Ehepaar Juanita und Rudy mit Tränen in den Augen dafür gedankt, was sie ihnen im Leben geschenkt hätten. Tina Knowles hat daran erinnert, wie sie Juanita die Haare geschnitten hat. Wie alles angefangen hat. Stabile Beziehungen machen glücklich und haben Folgen.
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Evangelisch-Theologische Fakultät: Differenzierte Position in Latein-Debatte
Wien (epdÖ) – In der aktuellen Debatte um Latein als Studienvoraussetzung nimmt die Evangelisch-Theologische Fakultät (ETF) der Universität Wien eine differenzierte Position ein. Darauf hat Vizedekanin Marianne Grohmann in einer Aussendung hingewiesen. Die Universitätskonferenz, die Versammlung der Rektorinnen und Rektoren an österreichischen Universitäten, hatte am 12. Oktober eine Empfehlung an das Bildungsministerium beschlossen, dass in vielen Studienrichtungen Latein nicht mehr Voraussetzung sein soll. In Berichten darüber wurde als eines dieser Studien, die Latein „abschaffen“ wollen, auch die Evangelische Theologie genannt. „Das stimmt so nicht“, stellt Vizedekanin Grohmann klar.
Aktuelle StudienordnungDerzeit müssen Studierende der Evangelischen Theologie am Beginn des Studiums der Fachtheologie drei klassische Sprachen können oder neu lernen: Latein, Griechisch und Hebräisch, erklärt Grohmann. Latein und Griechisch seien „Ergänzungsprüfungen“ zur Matura, die eigentlich vor dem Studium absolviert werden müssten. „Da die meisten Studierenden aber Latein und Griechisch nicht mehr in der Schule gelernt haben, können sie diese Ergänzungsprüfungen bis zum Ende des Bachelor-Studiums nachholen. Hebräisch ist Teil des Studiums, und Studierende bekommen dafür ECTS-Punkte“, so die Vizedekanin zur aktuellen Studienordnung.
Nächste Studienreform: Latein als integraler Bestandteil des TheologiestudiumsWie auch andere Studienfächer will die Evangelisch-Theologische Fakultät zwar Latein als Studienvoraussetzung abschaffen, aber stattdessen – bei der nächsten Studienreform – ins Curriculum selbst nehmen. „Das hätte den Vorteil, dass Studierende dann Latein nicht nebenbei lernen müssen, sondern es wird dann ein integraler Bestandteil des Theologiestudiums“, betont Grohmann. Um das möglich zu machen, müsse zuerst die sogenannte Universitätsberechtigungsverordnung geändert werden, wo für ganz Österreich geregelt ist, welche Sprachen für welche Studienrichtungen vorausgesetzt sind. Ganz abgeschafft werden soll Latein nur für das Unterrichtsfach Evangelische Religion, also für das Lehramt.
Die ETF-Vizedekanin betont, dass all das aber erst Pläne im Diskussionsstadium sind. Die Entscheidungsfindung- und allfällige Umsetzungsprozesse können länger dauern.
Weitere Infos:
https://etf.univie.ac.at/aktuelles/detail/latein-an-der-etf
Jubiläum: 70 Jahre christlich-jüdische Zusammenarbeit in Österreich
Wien (epdÖ) – Der Koordinierungsausschuss für christlich-jüdische Zusammenarbeit (KooA) begeht heuer sein 70-Jahr-Jubiläum. Höhepunkt ist am 19. Oktober ein Festakt im Wiener Rathaus. Der Festakt widmet sich unter dem Leitwort „Hören. Erinnern. Handeln.“ der Frage, welche Verantwortung aus 70 Jahren christlich-jüdischer Zusammenarbeit für Kirche, Religionsgemeinschaften und Gesellschaft erwächst.
Durch den Abend führt Danielle Spera. Das Programm umfasst einen Rückblick auf die Geschichte des Koordinierungsausschusses, einen intergenerationellen Dialog sowie Wünsche und Botschaften aus verschiedenen Religionsgemeinschaften. Markus Himmelbauer präsentiert Stationen aus 70 Jahren Geschichte, Regina Polak moderiert den intergenerationellen Dialog. Auch künstlerische Beiträge prägen den Abend. So setzt eine Wortrapperin mit Sprache und Rhythmus eigene Akzente, musikalische Einlagen spannen den Bogen von klassischer Musik bis zu jiddischen Liedern.
Seit seiner Gründung setzt sich der Koordinierungsausschuss für die Erneuerung der Kirche im Verhältnis zum Judentum und für eine vertiefte Kenntnis des Judentums ein. Zu seinen Aufgaben gehören die Aufarbeitung christlicher Judenfeindschaft, die Erinnerung an die Schoa sowie der Einsatz gegen Antisemitismus und Rassismus.
Die Teilnahme ist ausschließlich für persönlich geladene Gäste möglich.
Jüdisch-evangelisch-katholischer VorstandDer Vorstand muss laut Statut zu je einem Drittel jüdisch, evangelisch und katholisch besetzt sein. Laut KooA-Website zählt der Koordinierungsausschuss aktuell mehr als 410 Mitglieder und 28 Partner. Von jüdischer Seite gehören Vizepräsident Willy Weisz sowie die Historiker Awi Blumenfeld und Mitchel Ash dem Vorstand an. Die evangelischen Vertreter sind Vizepräsidentin Margit Leuthold, der Historiker Leonhard Jungwirth und der Wiener Pfarrer Stefan Fleischner-Janits. Neben KooA-Präsidentin Regina Polak sind Dechant Ferenc Simon und die Direktorin des Katholischen Bibelwerks, Elisabeth Birnbaum, die weiteren katholischen Vertreter im Vorstand. Als Geschäftsführer des Koordinierungsausschusses ist seit 2020 der jüdische Religionswissenschaftler Yuval Katz betraut.
Weitere Informationen: christenundjuden.org
Diakonie zum Welternährungstag: El Niño verschärft Hungerkrise
Wien (epdÖ) – Schwere Dürren, Ernteausfälle und Überschwemmungen: Vor diesen Folgen des El Niño warnt die Diakonie Katastrophenhilfe in einer Aussendung vom 15. Oktober. Bei dem Wetterphänomen, das alle zwei bis sieben Jahre auftritt, erwärmt sich das Meereswasser im zentralen und östlichen tropischen Pazifik unnatürlich stark und verändert dadurch das globale Klima. Für dieses Jahr wurde ein sogenannter Super-El-Niño prognostiziert.
„Das ist eine Katastrophe, die sich ankündigt“, betonte Diakonie-Direktorin Maria Katharina Moser im Vorfeld des Welternährungstags am 16. Oktober. Besonders gefährdet seien Länder in Afrika, wo schon jetzt die Ernährungssicherheit gefährdet sei. „Wenn Regen ausbleibt oder Überschwemmungen ganze Felder zerstören, verlieren Familien ihre gesamte Lebensgrundlage“, unterstreicht Moser. Die Diakonie-Direktorin appelliert auch an die österreichische Bundesregierung, finanzielle Mittel zur Verfügung zu stellen, um die Katastrophenvorsorge und die Stärkung der Widerstandsfähigkeit lokaler Gemeinschaften zu fördern. „Jeder in Prävention investierte Euro spart ein Vielfaches an späteren Kosten und verhindert Hunger und Leid“, so Moser.
Prognosen des Welternährungsprogramms der Vereinten Nationen (WFP) zufolge könnten durch El Niño bis Ende 2027 zusätzlich mindestens 49 Millionen mehr Menschen von akuter Ernährungsunsicherheit betroffen sein. „Gemeinschaften im globalen Süden müssen dabei unterstützt werden, Maßnahmen zu setzen gegen den Klimawandel und zur Ökologisierung ihrer Landwirtschaft, um die Folgen des Klimawandels zu bewältigen“, fordert Moser und bekräftigt, dass Hunger “kein unabwendbares Schicksal“ sei. Durch dürretolerantes Saatgut und Schulungen in klimaangepasster Landwirtschaft könnten Familien ihre Erträge verbessern und sich gegen zukünftige Wetterextreme besser wappnen.
Klimaangepasste LandwirtschaftAls besonders betroffen gilt das ostafrikanische Land Mosambik, wo 2026 bereits schwere Überschwemmungen Ernten zerstört haben. Nun drohen in den zentralen und südlichen Landesteilen weitere Ernteverluste durch ausbleibende Niederschläge, warnt die Hilfsorganisation. Zusammen mit lokalen Partnerorganisationen unterstützt die Diakonie Katastrophenhilfe vulnerable Familien in den Provinzen Sofala und Nampula. 2.360 armutsbetroffene Haushalte erhalten Nahrungsmittelpakete, um die Versorgung in den kommenden Monaten sicherzustellen. Zusätzlich werden klimaresistentes Saatgut und Werkzeuge verteilt sowie Schulungen in klimaangepasster Landwirtschaft angeboten. „Wer heute Lebensmittel verteilt, verhindert akuten Hunger. Wer gleichzeitig Saatgut, Werkzeuge und Wissen zur Verfügung stellt, gibt Familien die Möglichkeit, morgen wieder selbst für ihre Ernährung zu sorgen“, berichtet Moser über das von der ADA (Austrian Development Agency) geförderte Projekt.
Als weiteres Beispiel nennt die Diakonie in ihrer Aussendung die ostafrikanische Republik Somaliland. Dort unterstützt Brot für die Welt, die Aktion für Entwicklungszusammenarbeit der Evangelischen Kirchen in Österreich, in Zusammenarbeit mit lokalen Partnern den Bau von Brunnen und Wasserspeichern.

