Erntezeit Erntedank

Erntezeit - ErntedankErntezeit - Erntedank

Es ist Herbst - oder zumindest fast. Die Getreidefelder sind schon längst abgeerntet, das Korn eingebracht. Die Gemüsegärten bringen noch immer ihre Früchte, Ende September beginnt  normaler-weise  die Apfelernte. Birnen beginnen zu reifen oder sind schon, je nach Sorte, seit dem August pflückbereit. Und die Weinlese hat wohl, je nach Lage und Regionalklima, bereits Anfang September begonnen. Jede Frucht hat ihre Zeit der Ernte.

In vielen evangelischen Pfarrgemeinden ist Erntedank ein großer und wichtiger Sonntag im Kirchenjahreskreis. Auf dem Land eigentlich fast immer, da ist man doch noch vertrauter mit der Landwirtschaft und den Jahreszyklen, und sei es nur, weil ein Blick in die vorbeigleitende Landschaft den Gang der Natur, das Wachsen, das Blühen und das Reifen auf den Feldern offenbart.

Bei mir war das auch in diesem Jahr wieder - hauptsächlich bei den „Stoppelfeldern“ - oft mit dem Gedanken verbunden, wie rasch der Sommer gekommen und wieder vorbei ist, wie schnell die Zeit vergeht. Und dabei verspüre ich auch eine große Dankbarkeit. Für die Arbeit jener Menschen, die dafür sorgen, dass die Felder blühen und gedeihen. Für die Mühe aller, die dafür sorgen, dass für unser Nahrungsangebot gesorgt ist. Und eine große Dankbarkeit für die uns geschenkte Schöpfung, die reichlich hervorbringt, was wir Menschen und die ganze Schöpfung als Lebensgrundlage brauchen.
Dass damit heutzutage, zumindest bei uns sowie in anderen Industrieländern, ein fast schon wahnsinniges Überangebot verbunden ist, das ist die andere Seite der Medaille, die ich nicht ausblenden kann und - angesichts der Tatsache, dass auf dieser Welt laut UN-Angaben weltweit 821,6 Millionen Menschen hungern - nicht darf. 

Das Bild ist in seiner Einfachheit und Reduziertheit bewusst gewählt: Die Getreideähre mit den reifen Körnern und das Brot, das daraus gemacht wird als Sinnbild für alles, was uns körperlich am Leben erhält. Aber nicht nur physisch, auch der Seele tut es gut, wie es die alte Volksweisheit ausdrückt: „Essen und Trinken halten Leib und Seele zusammen.“  Wer davon nicht ausreichend hat, leidet Not an Leib UND Seele.

Daher die Bitte im Vaterunser: „Unser tägliches Brot gib uns heute:“ Wenn auch gilt, was Jesus sagte: „Der Mensch lebt nicht vom Brot allein…“, so bedeutet der Mangel an Nahrung eine schreckliche Ent-menschlichung, die alles andere zunichte macht. Diese Bitte erinnert uns daran, dankbar zu sein und zugleich unesere Augen vor der Not anderer nicht zu verschließen.

Pfr. Otmar Knoll

(aus unserem Pfarrblatt Unterwegs 2019-3)